Es gibt verschiedene Umweltfaktoren, die sich auf das Wasser und somit auf das Leben im Wasser auswirken. Die von der Sonneneinstrahlung abhängigen Temperatureinflüsse sind dabei wohl am bedeutsamsten.Grundsätzlich gibt es zwei Dinge die man wissen sollte. Erstens haben Karpfen und andere Fische keine Kontrolle über ihre Körpertemperatur, wie es beispielsweise Säugetiere haben. Sie nehmen vielmehr innerhalb gewisser Grenzen die Temperatur ihrer Umgebung an und werden deshalb auch als Kaltblüter bzw. Wechselblüter oder wechselwarme Tiere bezeichnet.

Zum zweiten wird der Stoffwechsel und die einschlägigen Körpervorgänge bei steigenden Temperaturen beschleunigt. Sie verlangsamen sich, wenn die Temperatur zurückgeht.  Für uns als Angler hat diese Erkenntniss natürlich auch eine Bedeutung. So wissen wir nun also, dass die Karpfen bei steigenden Temperaturen aktiver werden und dies in der Regel auch sind. Diesbezüglich bedeutet das auch, dass sie sich mehr der Nahrungsaufnahme widmen und vereinfacht gesagt auch mehr fressen.

Hierbei gibt es Temperatur Ober und Untergrenzen die man abstecken muss. Es sind also Temperaturbereiche vorhanden, bei denen sich die verschiedenen Fischarten am wohlsten fühlen. Im Gegensatz hierzu sollte man beachten, dass es Temperaturbereiche gibt, bei denen eine Gefahr für die Tiere besteht. Sinkt die Temperatur beispielsweise unter Null, bildet sich Eis und dies kann sich dann auch in den Körperzellen der Fische bilden, was bedeuten würde das der Tod eintritt.

Eine andere Grenze nämlich die Temperaturobergrenze die ebenfalls vorhanden sein kann, kann ebenfalls dazu führen das der Tod eintritt. Diese ist für die verschiedenen Fischarten bei verschiedenen Temperaturen zu erwarten. Während für Salmoniden eine Temperatur ab 28 Grad zum Tod führen kann, vertragen Karpfen wesentlich höhere Temperaturen bis um die 34 Grad und mehr. Die Wassertemperatur und der damit verbundene Sauerstoffgehalt im Wasser spielen eine große Rolle bei der Aktivität der Fische und der damit verbundenen Nahrungsaufnahme.

Nahrung kann aber vom Karpfen nur verarbeitet werden, wenn dem Körper der für den Stoffwechselumsatz erforderliche Sauerstoff im Wasser vorhanden ist und über die Atmung zugeführt wird. Der Sauerstoff gelangt auf zwei Wege ins Gewässer. Zum Einen durch den Vorgang der sogenannten Diffusion, welche an der Wasseroberfläche stattfindet, und zum Anderen durch den Vorgang der sogenanten Photosynthese, die durch die im Gewässer vorhandenen grünen Pflanzen entsteht.

Die Photosynthese beschränkt sich auf die Tageszeit und Stunden wenn genügend Lichtstrahlen ins Wasser eindringen können. Dies bedeutet das am Tage durch diese Grünpflanzen produzierter Sauerstoff ins Wasser abgegeben werden kann. In der Nacht produzieren diese Grünpflanzen durch fehlende Lichteinstrahlung keinen Sauerstoff mehr und können diesen folglich auch nicht abgeben. Der Anteil des gelösten Sauerstoffs im Wasser wird durch die vorherschende Temperatur beeinflusst. Je niedriger die Wassertemperatur ist, um so größer ist der Sauerstoffanteil. Desto höher die Wassertemperatur ist, desto niedriger ist der Sauerstoffanteil im Gewässer.

Vereinfacht ausgedrückt Wasser, welches sich nahe dem Gefrierpunkt befindet ist mit mehr Sauerstoff angereichert als lauwarmes Wasser. Wird das Wasser im Gewässer zu warm, wird zu viel Sauerstoff entweichen und die Karpfen bekommen Atemnot und laufen Gefahr zu ersticken. Hieraus ergibt sich für uns Angler folgende Erkenntniss. Angeln wir im Sommer auf Karpfen an Tagen an denen die Temperaturen sprunghaft steigen und dem Wasser der Sauerstofff entzogen wird, verlassen die Karpfen manche Stellen, an denen wir sie normalerweise antreffen würden und begeben sich an Stellen im Gewässer die mit viel Pflanzenbewuchs oder Krautbetten versehen sind, da dort diese Pflanzen den notwendigen Sauerstoff anbieten den sie zum Atmen brauchen.

Nur wenige Angler nutzen diese Erkentniss und begeben sich an diese Stellen um im Kraut oder in den Seerosen zu fischen. Bleibt man an solchen Tagen am Tage den offenen Stellen im Gewässer treu muss man sich nicht wundern als Schneider nach Hause zu gehen. Allerdings gibt es auch Gewässer, in denen der beste Pflanzenbewuchs im Sommer nicht mehr ausreicht um die Versorgung mit Sauerstoff sicherzustellen. Dies sind meist stehende Gewässer, die sich sehr schnell erwärmen. Bei solchen Gewässern, die mich oft an kleine Teiche erinnern passiert dann folgendes. Der am Tage produzierte Sauerstoff reicht dann nicht für die Nacht, in der ja kein Sauerstoff mehr durch fehlende Lichteinstrahlung produziert werden kann. Die Wasserbewohner sowohl Fische als auch Pflanzen benötigen als Atmung aber diesen Sauerstoff. Hierzu kommt meistens, dass an der Wasseroberfläche nur ganz wenig Sauerstoff gelöst wird. Dies hat zur Folge, dass ein Gewässer umkippen kann und die vorhandenen Fische an Sauerstoffmangel verenden werden.

Ähnliches kann auch im Winter eintreten, wenn ein Gewässer über längere Zeit zugefroren ist. Hier kann dann weder Sauerstoff über die Wasseroberfläche noch über eintretende Lichtstrahlen die die Photosynthese erzeugen ins Gewässer gelangen und dieses mit Sauerstoff versorgen. Auch in den kalten Jahreszeiten kann man also aus den Temperatur vorherschenden Bedingungen Schlüsse ziehen, die für uns Angler fangentscheident sein können.

Hierbei ist das Wissen über die Temperatur und deren Auswirkung auf die Dichte des Wassers sehr wissenswert. Diese Dichte nimmt bei sinkender Temperatur des Wassers zu, dies bedeutet kälteres Wasser ist schwerer als warmes Wasser und sinkt nach unten. Dies gilt allerdings nur für ein Absinken der Temperaturen bis auf 4 Grad, wenn das Wasser seine größte Dichte erreicht hat und am schwersten ist. Bei noch geringeren Temperaturen nimmt die Dichte nicht weiter zu, sondern ab was zur Folge haben wird, dass sich das noch kältere Wasser über das von 4 Grad kalte Wasser legen wird. Diese Schicht kann möglicherweise auch zu Eis gefrieren. Diese Abnahme der Dichte erklärt auch warum Eis auf dem Wasser schwimmt. Wäre dies nicht der Fall, so hätten Fische und andere Wasserlebewesen keine Chance den Winter zu überstehen.

Für uns Angler bedeutet dies ganz vereinfacht gesagt, dass sich die Karpfen im Winter an die Tiefsten Stellen des Gewässers zurückziehen werden, da es dort von der Temperatur her am wärmsten sein wird. Hat man dies verinnerlicht kann man auch an kalten Wintertagen bei Kenntniss dieser Rückzugsgebiete und Kenntniss über Technik und Taktik einen Versuch starten diese an den Haken zu bekommen. Ganz klar kann man noch hinzufügen, sehr flache Gewässer werden schneller abkühlen und die Fische werden viel früher die tieferen Stellen im Gewässer aufsuchen, als sie es in einem tiefen Gewässer tun werden. Tiefere Gewässer kühlen sich logischerweise langsamer ab, was zur folge hat das sie sich auch langsamer wieder erwärmen werden. Im Frühjahr ist es deshalb lohnenswerter ein flacheres Gewässer zu beangeln, da sich dieses schneller erwärmt als ein tiefes Gewässer. In kälteren Jahreszeiten hingegen ist ein tieferes Gewässer, welches sich langsamer abkühlt als ein flaches Gewässer länger fangversprechend als ein flaches Gewässer.

Man sieht also denke ich ganz gut, welche Auswirkungen Temperatureinflüsse an verschiedenen Gewässern haben können. Was dies für den Fang von Karpfen und die damit verbundenen Angelstrategien bedeutet, kann man anhand dieser Fakten gut ablesen und für sich nutzen.  Beherzigt man einige dieser Erkenntnisse kann man seine Fangaussichten mit sicherheit steigern und das Ergebniss dessen wird man sich als Belohnung mit einem freudigen Strahlen, und einem Rüssler auf dem Arm im Fangalbum ansehen können.